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Funktioniert Crowdfunding in Deutschland?

Funktioniert Crowdfunding in Deutschland

Deutschland ist ein geiziges Land

Crowdfunding in Deutschland, dass ist meiner Ansicht nach undenkbar. Zwar gibt es durchaus einige Deutsche die ihr Geld gerne zu Kickstarter tragen, doch wäre das Ganze eben ein Service aus Deutschland, mit deutschen Produkten, wären selbige auch schnell wieder verschwunden. Hipster würde ich diese Menschen nennen, die gerne investieren, solange die Erfahrung exklusiv ist und sie zu etwas Besonderem, etwas Besseren macht. Doch sobald Crowdfunding lokaler wird, fehlt in Deutschland meiner Meinung nach der Support. Das ist nichts Neues, denn wo sich Websites in Amerika erfolgreich durch Spenden finanzieren, sorgt ein Spenden-Button hierzulande eher für fiese Kommentare. Warum man denn betteln müsste, was das ganze soll – Ihr kennt das bestimmt selbst. Auch Flattr ist mit seiner genialen Idee gescheitert, zumindest in Deutschland. Was bleibt sind klassische Banner, doch hier gehen die Preise weiterhin nach unten und die Buchungen ohne großen Vermarkter sind schlecht, die TKPs ein Witz. Also alles einfach nur scheiße? Naja, versuchen wir das Ganze noch einmal objektiver und von außen heraus zu betrachten. Crowdfunding in Deutschland, kann das funktionieren?

Crowdfunding und was es bedeutet

Die erste Frage, die geklärt werden muss: Was ist Crowdfunding denn nun genau? Die Antwort ist relativ einfach, denn Crowdfunding ist eine Finanzierung über Unterstützer, also über die Kunden selbst. Im Idealfall bekommen dabei die Menschen Geld, die geniale Idee haben, doch nicht über die Mittel verfügen, um sie umzusetzen. Diese erstellen eine Kampagne bzw. ein Projekt auf einer Crowdfunding Plattform und bitten dort um Unterstützung. Vorreiter in Sachen Crowdfunding war die Website Kickstarter, die mit ihrer Idee 2008 auf der Bildfläche erschien. Daraufhin dauerte es ungefähr vier Jahre, bevor Kickstarter wirklichen Ruhm erlangte. Vor allem Gaming-Kampagnen mit überraschenden Einnahmen von über 1 Million Euro, schafften es die Breite Masse anzusprechen, schafften es, dass Kickstarter durch die Presse ging, Crowdfunding ein großes Thema wurde. Und dort befinden wir uns nun, auf dem aktuellen Höhepunkt bzw. bereits dem Fall, denn mittlerweile ist der Hype abgeklungen und viele Projekte scheitern. Ist Crowdfunding also überhaupt noch interessant?

Millionen durch Crowdfunding

Dass aktuell viele Kampagnen bei Kickstarter scheitern ist nicht verwunderlich, denn im Detail betrachtet haben es nur diejenigen zu viel Ruhm geschafft, die schon zuvor über eine große und treue Community verfügten. Im Gaming-Bereich waren das Legenden wie Chris Roberts, oder der sehr populäre Indie-Entwickler Double Fine Productions. Beide erreichten dank ihrer Anhänger gigantische Summen, die weit über das eigentlich angepeilte Ziel hinausgingen. Doch eben darum geht es ja, denn kann so ein gigantischer Erfolg auch von unbekannten Personen erreicht werden? Ich denke die Antwort lautet nein, doch ich denke auch, dass dies nicht weiter schlimm ist. Nicht jeder muss die Million knacken, denn oft reichen schon 10.000 bis 50.000 Dollar, um die eigene Idee umzusetzen und Grundlagen für die Zukunft zu schaffen. Die enormen Summen sind also auch bei Kickstarter eine Ausnahme und werden nur dann erreicht, wenn eine PR-Agentur fleißig arbeitet, um die entsprechende Kampagne durch alle Nachrichtenkanäle zu bringen.

Crowdfunding als Popularitäts-Check

Was Crowdfunding aber eben sehr interessant werden lässt, ist die Tatsache, dass sich hier die Nachfrage prüfen lässt. Jeder der ein Projekt unterstützt, erhält ab einer festgelegten Mindestsumme auch meist das fertige Produkt. Crowdfunding ist für viele also nur eine Art Vorbestellung, für Produkte die es noch gar nicht gibt, die ihnen aber gefallen würden. Das bringt viele interessante Ideen mit, weil sich via Crowdfunding  prüfen lässt, ob es für bestimmte Produkte auch eine Nachfrage, einen Markt gibt. Interessant also, um nicht mit eigenem Kredit gegen die Wand zu fahren. Hier stellen die Nutzer quasi das Geld zur Verfügung, ohne dafür jemals eine Garantie zu erhalten. Scheitert das Projekt also, bleibt der Ersteller nicht auf Unsummen Schulden sitzen, sondern die potenziellen Kunden, die an ihn geglaubt haben, verlieren ihre meist kleine Investition. Genau deshalb wird Crowdfunding in Deutschland oft auch Schwarmfinanzierung genannt, weil der Einzelne nichts bedeutet, der Schwarm aber etwas bewirken kann, ohne, dass das Risiko für den Einzelnen zu groß ausfällt.

Die schnelle Crowdfunding Analyse

Nun muss man zunächst einmal Kickstarter selbst analysieren. Was sind wirklich erfolgreiche Projekte, was konnte sich in der Vergangenheit durchsetzten, was ist gnadenlos gescheitert? Wer sich genauer mit Kickstarter beschäftigt, sieht wie viel Aufwand und Marketing hinter einer vermeintlich “kleinen” Kampagne steckt. Die wenigsten erfolgreichen Projekte sind einfach mal so spontan gestartet, meistens wurde alles weit im voraus geplant. Magazine und Websites müssen über eine Kampagne berichten, auch spezielle User von Twitter garantieren in Amerika und auch in Deutschland schnell den großen Erfolg. Bei Facebook muss das Ganze natürlich ebenfalls laufen. Gar nicht so einfach, wenn das eigene Produkt noch niemand kennt und die Idee erst einmal an den Mann gebracht werden muss. Doch was bringt das einem Web Entwickler? Er könnte spannende neue Portale und Ideen vorstellen, die Nachfrage prüfen, das Ganze dann mit Geldern der Nutzer selbst umsetzten. Keine eigene Investition mehr, sondern Programmierung nach Interesse.

Ein erfolgreiches Crowdfunding Beispiel

Mir ist nur eine erfolgreiche Kampagne in diese Richtung bekannt. Eine Website aus Amerika erklärte, dass ein neues zeitgemäßes Design umgesetzt werden sollte, dafür aber die Zeit bzw. das Geld fehlt. Also wurde eine Kickstarter Kampagne gestartet, die den Nutzern für kleine Investitionen die komplette Entwicklung als Screencast, also Videoaufnahme garantierte. Das war für Web Entwickler, an die sich die Website richtete, natürlich durchaus von Interesse und so kamen am Ende über 89.000 Dollar für das neue Design zusammen. Auch hier gilt aber zu erwähnen, dass das ganze ein Einzelfall war. Dass die Website von einem sympathischen Blogger geführt wurde, der an mehreren bekannten Projekten werkelt und eine größere Anhängerschaft besitzt. Ein Promi der Szene also, der schon vorab einen gewissen “Vorteil” verzeichnen konnte und von dem die Unterstützer nur zu gerne via Screencast lernen wollten.

Crowdfunding und Deutschland

Das Problem beim Thema Crowdfunding ist am Ende auch wieder Deutschland. Zwar gibt es einige deutsche Plattformen (Startnext, Inkubato, Pling), doch gigantische Erfolge sind dort weniger zu verzeichnen. Für Websites oder Portale bedeutet dass, dass der Fokus in Amerika liegen muss, weil hier nun einmal das meiste Geld fliest. Bei Kickstarter muss allerdings sowieso eine US-Adresse vorhanden sein, schon als eine der ersten Voraussetzungen. Kreditkarte und Co machen es Deutschen dann noch schwerer ihr Projekt zu unterstützen. Es gibt andere Plattformen wie beispielsweise Indiegogo, die auch Euro anbieten, doch außerhalb von Kickstarter wird es mit Crowdfunding schnell erschreckend unspektakulär. Kickstarter ist also so etwas wie eBay, denn auch wenn es andere Auktionshäuser gibt, der Erfolg ist und bleibt eben bei eBay selbst.

Die Zukunft von Crowdfunding

Ich persönlich sehe die Zukunft von Crowdfunding nüchtern. Ja, es wird immer Menschen geben die bereit sind eine interessante Idee zu unterstützen. Nein, in Deutschland wird Crowdfunding nie eine große Sache werden. Ebenso kritisch sehe ich die Produkte, die im wesentlichen für solch eine Finanzierung gedacht sind. Websites, Web Designer, Portale oder ähnliches fallen hier gar nicht erst rein, auch Spiele haben es in Zukunft bestimmt deutlich schwieriger. Für Designer, exklusive Möbel oder einzigartige Technik-Ideen, wird Crowdfunding aber nach wie vor fantastisch sein. Ideen, die eben kein großer Hersteller einfach mal so umsetzten würde, weil das finanzielle Risiko ihm zu groß ist. Via Kickstarter schaffen es dann Designobjekte, Kunstfilme und Musik, sich zu finanzieren, dass zeigen auch die aktuellen Statistiken. Alle anderen Bereiche haben es deutlich schwieriger, vermutlich auch weil hier mehr Geld vonnöten ist, um wirklich etwas auf die Beine zu stellen. Das Ubuntu Edge Smartphone hat das sehr schön gezeigt, denn abgesehen von der teuren Technik, sprach das Team auch davon, dass Partner das Smartphone erst ab gewissen Stückzahlen produzieren wollten. Am Ende erforderte all das 32 Millionen, immerhin über 12 Millionen Dollar kamen für das Projekt zusammen. Ich glaube der Höhepunkt von Crowdfunding ist bereits an uns vorbeigezogen. Nun heißt es das Beste draus machen, sehen was dauerhaft von Erfolg gekrönt ist. Sicherlich kann es hier und da eine große PR-Kampagne noch schaffen, unpopuläres groß werden zu lassen, doch ich denke es sind am Ende die kleinen aber feinen Ideen, die Crowdfunding so einzigartig und interessant belassen. Die Großen dagegen, die haben auf der Plattform nichts verloren und sollten sich reguläre Investoren suchen. Für uns Web Entwickler, ganz besonders für die aus Deutschland, ist Crowdfunding meiner Ansicht nach aber absolut nichts und wird auch niemals etwas werden.



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