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Kurz, lang, ausführlich? Wie Texte wirklich sein müssen und worauf es ankommt.


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Texte und Textgestaltung im Web

Texte schreiben wie ein Profi

Wenn es um Texte bzw. Artikel für Blogs geht, dann ist immer öfter die Rede davon, dass diese besonders lang ausfallen sollten. Holistisch, also allumfassend und ausführlich müssen sie angeblich sein, damit auch Google die Artikel gut findet und sie entsprechend hochwertig einstuft. Das führte in letzter Zeit vor allem dazu, dass eine Art neue Regel entstand. Lang, länger, am längsten, wollten die Blogger ihre Artikel. Doch ist das wirklich zielführend? Ich habe mir mal ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht und möchte diese nun mit euch teilen. Auch deshalb, weil ich mich selbst fast durchgehend mit der Qualität von Texten beschäftige und mich dementsprechend gut auskenne. Denn Theorie ist eine Sache, was in der Praxis funktioniert, eine ganz andere.

Die 1000-Wörter-Regel

Da ich schon sehr lange blogge, habe ich auch schon einiges an Stimmungsschwankungen bezüglich Google erlebt. Die Suchmaschine hat ihre Eigenheiten und ihren ganz eigenen Kopf und wer ranken will, muss sich diesem nun einmal zwangsläufig anpassen. Früher gab es deshalb immer die 1000-Wörter-Regel, eine Art Faustregel für die Artikellänge. Unter 1.000 Wörter gelang es Bloggern nämlich nur äußerst selten die Spitzenpositionen zu erreichen.

Dann sah es noch extremer aus. Nämlich als in einigen SEO-Studien herauskam, dass Top-Platzierungen unweigerlich auch mit längeren, ausführlicheren und thematisch abdeckenden Beiträgen in Verbindung stehen. Holistisch also, was im Grunde nur bedeutet, seine Texte ganzheitlich zu schreiben, also ein Thema nicht nur anzukratzen, sondern es komplett abzudecken. Das wiederum steht in Verbindung mit dem Gedanken, dass das Hauptkeyword gar nicht mehr so wichtig ist, sondern semantische Verbindungen geschaffen werden müssen. Also Begriffe eingebaut werden, die direkt mit dem eigentlich Keyword in Zusammenhang stehen. Und so entstand die Theorie, dass Artikel lang, allumfassend und ausführlich sein müssen, wenn sie erfolgreich sein sollen.

Demnach war die 1000-Wörter-Regel auch schnell vergessen und es wurden eher 2.000 bis 5.000 Wörter empfohlen, um bei Google in die Spitzenpositionen zu gelangen. Absurd, denn manche Themen geben eben einfach nicht so viel her. Trotzdem galt: Mehr ist immer besser.

Es geht nicht immer nur um Google

Die Krux an der Sache ist nun, dass es heute gar nicht so sehr um Google geht. Nicht mehr und nicht nur. Texte müssen Nutzern gefallen, damit sie geteilt, kommentiert und verbreitet werden. Den Leser wieder verstehen und gezielt anfüttern, um ihn zum treuen Stammleser zu machen, darum geht es in der heutigen Zeit. Natürlich auch wegen Google, denn längst achtet die Suchmaschine verstärkt auf Nutzersignale. Mehr als jemals zuvor sogar. Damit rückt der eigentliche Leser wieder in den Fokus, was durchaus erfreulich ist.

Das wiederum führt zwangsläufig dazu, dass lange Artikel nicht mehr per se besser sind oder besser ranken. Vielmehr führt es dazu, dass Artikel wieder wirklich gefallen müssen. Das eure Texte ansprechend, unterhaltsam, vielleicht sogar etwas mit Humor gespickt sein sollten, sodass der Leser bei der Stange gehalten wird und bis zum Ende weiterlesen möchte. Das erhöht dann die Verweildauer auf eurer Website und das wiederum merkt Google und belohnt euch im besten Fall dafür. Positive Nutzersignale, statt einer möglichst hohen Wortzahl, das ist das was heutzutage funktioniert. Auch deshalb sind Mikrointeraktionen so wichtig, nämlich um Besucher zum verweilen zu animieren.

Verantwortlich dafür ist im Kern ein System mit dem Namen RankBrain. Googles Gehirn, wenn man so möchte. RankBrain ist eine künstliche Intelligenz, die Texte versteht, deutet, Verbindungen feststellt und daraus erstmals echte Schlüsse zieht. Sie beobachtet wie Nutzer reagieren und kann die Suchergebnisse bzw. die Rankings sogar danach anpassen. Wie RankBrain genau funktioniert, ist hier noch einmal im Detail beschreiben. Alles sehr komplex und ziemlich intelligenz.

So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Der Spruch in der Überschrift, ist ein Spruch der Programmierer gerne begleitet, der aber auf viele Lebenslagen zutrifft. Für mich meint er, dass weniger mehr ist. Bei Apple hieß es einst »Einfachheit ist die höchste Form der Raffinesse«. Das stimmt. Wer es schafft bei seinen Artikeln wichtige Informationen besonders einfach, schnell und in Kürze rüberzubringen, der macht seinen Job perefekt. So wenig Text wie möglich, aber so viel wie nötig ist, um das Thema umfangreich, gleichzeitig aber auch verständlich und ohne Längen zu vermitteln. Das ist das große Ziel unserer Zeit geworden. Das ist SEO-Optimierung, wie sie heutzutage aussehen muss.

Die Kunst beim Schreiben ist also aufzupassen, dass keine unerwünschten Längen entstehen. Es geht nicht so sehr darum, ob ihr nun 700 oder 7.000 Wörter getippt habt, denn die 7.000 wird vermutlich eh niemand bis zum Ende lesen. Im besten Fall jeder zehnte Besucher. Doch selbst das ergäbe noch eine hohe Absprungrate und ein negatives Benutzersignal. Wörter oder Zeichen sind also nicht der Maßstab für gute oder schlechte Texte. Weder bezüglich Google, noch bezüglich der allgemeinen Qualität und auch nicht in Hinsicht auf RankBrain.

Die Geschichte der Aufmerksamkeitsspanne

Wieder einmal, hat sich alles verändert, so scheint es. War früher »mehr« auch immer »besser», ist dem heute tatsächlich nicht mehr so. Im Grunde ist das auch schnell begründet, denn würde ich die Aufmerksamkeitsspanne einzelner Personen in einem Diagramm darstellen, dann hätten wir einen steilen Abhang vor uns. Wir alle haben immer weniger Zeit und bei fast jedem Blog und jeder Website, liegen die Mobilen Zugriffe im deutlich höheren Bereich als die Desktop-Besucher.

Da braucht man sich als Blogger eigentlich nur noch selbst fragen, wie oft man am Smartphone oder Tablet eigentlich Artikel mit 5.000 Wörtern gelesen hat. Eher selten, denn für Bücher habe ich schließlich meinen Kindle und selbst hier geht, gerade in den USA, aktuell ein Trend hin zu Kurzgeschichten los. Kleine, günstige eBooks, als Futter für die wenige Zeit, die wir noch haben oder uns nehmen. Letzteres ist allerdings wieder ein ganz anderes Thema.

So ist es durchaus verständlich, dass knackige, kurzgehaltene Artikel auf dem Vormarsch sind. Im Grunde läuft es auf das »So wenig wie möglich, so viel wie nötig« heraus. Schreibt was ihr schreiben müsst, aber faselt nicht endlos herum, nur um eine imaginäre Wortgrenze zu durchbrechen. Gute Texte zu schreiben, sowohl in SEO- wie auch Nutzersicht, bedeutet heute nämlich wieder interessant zu sein. Anders zu sein. Texte locker und lesbar zu gestalten. Probiert es mal aus, ihr werdet schon sehen wie gut das funktioniert. Und ich mache jetzt Schluss, bevor auch ich wieder anfange mich zu wiederholen.


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